
Monterey Bay Aquarium – Suche nach dem weißen Hai
Geleitet ausscheren – Der beste Möglichkeit einen wunderbaren Entdeckungstag zu erleben
Mit einem weiteren Weg amerikanisches Frühstück zu genießen starten wir in unseren fünften Exkursionstag. Abgepackte Cereals, dazu Milch aus einem fünf Liter Eimer und Toastbrot mit Butter und Marmelade. Kein absoluter Gaumenschmaus, aber es kratzt im Hals, macht satt und geht schnell – also eine perfekte Voraussetzung für unseren freien Tag an der Westküste.
Auf dem 17-Mile Drive, einer, nach eigenen Aussagen, der schönsten Aussichtsstraßen der Welt, fahren wir nach Carmel-by-the-Sea. Das Panorama, das wir geboten bekommen, ist atemberaubend. Schroffe Klippen, Seelöwen, die sich auf Felsen sonnen, Sandstrände und ein Pazifik, der sich in hellblauen großen Wellen bricht – so, denkt sich manch einer, muss es im Paradies aussehen.
Mit Salz auf den Lippen fahren wir weiter die Küste entlang und halten bei der Mission San Carlos Borromeo de Carmelo, einer alten spanischen Mission aus dem Jahre 1770. Die Bauweise der Gebäude, insbesondere der Kirche und die Ruhe, die sie ausstrahlt, fühlt sich auf eine seltsame Art und Weise vertraut und ein bisschen wie Heimat an.
Der Innenhof der Anlage ist bepflanzt mit Pfefferbäumen (“Hihi, wir sind da wo der Pfeffer wächst”) und großen Blumen, die Kolibris anlocken. Ja genau – Kolibris! Doch nicht nur das ist exotisch, sondern auch die Devotionalien die es im Andenkenladen zu erstehen gibt. Hier stehen Heiligenbilder, neben Wasser aus Lourdes, neben Sorgenpüppchen, neben Bibleopoly, einer Version von Monopoly in der man statt ins Gefängnis zu gehen eine Runde “Meditieren” muss. Grell, bunt, viel zu teuer und ein allzu krasser Gegensatz zu der majestätischen Erscheinung der Mission.
Wir fahren weiter, wollen wir doch heute auch dem gefürchteten Gruppenkoller vorbeugen und ein geleitetes Ausscheren ermöglichen. In der nächsten Stunde haben wir freie Zeit, um Carmel anzuschauen, oder am Strand den Pazifik zu genießen. Ein Teil der Gruppe macht sich auf in das Städtchen, in dem Clint Eastwood bis 1988 Bürgermeister war, um eine Kleinigkeit zu essen. Ein anderer geht direkt hinunter zum Strand. Erst einmal die Füße ins Wasser halten! Doch der Pazifik hat seine eigene bezwingende Kraft und so steht nach drei Minuten fest, dass ein richtiges Bad in den Wellen unausweichlich ist. Gar nicht so kalt war’s und dafür einzigartig! Einmal bricht sogar eine Welle über unseren Köpfen zusammen, ist also mindestens 2 Meter hoch… (das kennen wir gar nicht aus der Nord- bzw. Ostsee, aber hier in Amerika ist ja sowieso alles eine Nummer größer).
Nach dieser körperlichen und seelischen Stärkung geht es langsam zurück nach Monterey. Ein Teil der Gruppe möchte ein Stück des 17-Mile Drive zu Fuß laufen, um sich zu bewegen, der andere fährt schon einmal vor ins Aquarium. Heute, an unserem freien Tag, sollen so viele von uns wie möglich genau das machen können, was sie am liebsten machen möchten.
Als studentisches Bildungsprogramm für diesen Nachmittag steht das Monterey Bay Aquarium auf dem Tagesplan. Fische und Meerespflanzen sind zwar vielleicht nicht die spannendsten Ausprägungen der hiesigen Fauna. Aber immerhin wurde ein weißer Hai versprochen. Und so einen Promi der Unterseewelt lässt man sich ja gerne einmal aus der Nähe zeigen.
Leider verbreitet der Schrecken der sieben Weltmeere derzeit nur Furcht im freien Ozean und hält sich vorübergehend nicht im Aquarium auf. Schade eigentlich. Aber zum Glück hat das sich über fünf Häuserblocks erstreckende Tiefseeparadies noch andere Sensationen zu bieten. Quallen zum Beispiel, die Leuchtstofflampen der Meere. Oder Unmengen an Krabben, Schwarmfischen, Seepferdchen, Pinguinen, Kraken und anderem Getier. Damit man bei so einem Treiben nicht den Überblick verliert, weisen Infotafeln und -videos auf die Lebenswelt des jeweiligen Meeresbewohners hin; oder auf seine spätere Integration in den Speiseplan des Menschen. So machen ausgestellte Fischkonserven und geschmackvoll dekorierte Krabbenplatten durchaus Appetit.
Apropos. Nach einem Tag voller Erlebnisse spiritueller und sportlicher Natur hängt der Magen schon wieder in den Kniekehlen. In ein mexikanisches Restaurant soll es daher gehen. Doch da die Unternehmungslust der Erlanger Bildungselite noch nicht restlos gestillt ist, geht es vorher noch kurz an die Fisherman’s Wharf. Dort erwartet uns ein ein kulinarischer Kreuzweg durch die Restaurants am Hafen, die uns mit schillernder Eigenwerbung und Unmengen an Kostproben der hauseigenen Muschelsuppe auf das Loch im eigenen Magen hinweisen.
Also verabschieden wir uns von den Robben und Seelöwen, die sich in einiger Entfernung auf einem Felsen räkeln (sogar ein weißer war dabei) und begeben uns ins El Torito. Nach einer kurzen Wartezeit, die mit einem Vier-Dollar-Margarita mehr als erleichtert wird, ist dann endlich der gastronomische Erwartungshöhepunkt des Tages gekommen und stillt mit schwer bis gar nicht auszusprechenden mexikanischen Speisen die gastronomischen Bedürfnisse der Studenten.
Somit endet der Abend angenehm fröhlich und bei den meisten auch müde, jedoch nicht ohne das Bonmot eines Kommilitonen in Form eines Witzes, der hier nicht vorenthalten werden soll: “Lenin, Stalin und Honecker sitzen gemeinsam im Zug nach Moskau aber der Zug fährt nicht los. Da steht Lenin auf, geht zum Lokführer, hält ihm eine Brandrede und kommt zurück. Doch nichts tut sich. Nach einer Weile geht Stalin nach vorn, erschießt den Lokführer, doch weiterhin tut sich nichts. Da steht als drittes Honecker auf, Hält sich am Gepäcknetz fest, rüttelt hin und her und ruft: ‘Der Zug fährt. Der Zug fährt.’”
von Almut R. und Sebastian B.





